»Die Forscher hier geben niemals auf.«

»Die Forscher hier geben niemals auf.«
© Foto Fraunhofer IAF

Im Chemielabor des Fraunhofer IAF bereitet Taro Yoshikawa Nanodiamant-Kolloide für die Keimbildung für das Wachstum weiterer Diamantschichten vor.

Diamanten sind Multitalente: sie sind nicht nur als Schmucksteine beliebt, sondern bieten zukünftig auch großes Potenzial für Kommunikationstechnologien. Taro Yoshikawa, ein Doktorand aus Yokohama in Japan, ergriff die Chance zur Mitarbeit an der Diamantforschung des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Festkörperphysik IAF, um so am »schnellen Forschungszyklus in Deutschland« mitzuwirken.

Taro Yoshikawa (26) arbeitet seit Mai 2014 als Doktorand am Fraunhofer IAF in Freiburg. Als Master-Absolvent in Materialwissenschaften spezialisierte er sich an der Aoyama Gakuin Universität in Sagamihara auf die Kristallzüchtung. Im Interview beschreibt er seine Motivation zu Forschung in Europa und seinen Weg ans Fraunhofer IAF.

An welcher Aufgabe forschst Du im Rahmen deiner Promotion?

Ich arbeite in der Gruppe für mikroelektromechanische Systeme (MEMS). Wir entwickeln Komponenten für zukünftige Kommunikationsgeräte auf Basis von Diamant, wie beispielsweise Sendeempfänger für Radiofrequenzen. In der Kommunikationstechnologie haben wir es mit sehr hohen Frequenzen zwischen 900 MHz bis zu 5 GHz zu tun. Um ein klares Signal zu erzielen, müssen unerwünschte Frequenzen ausgeblendet werden. Das kann man durch eine sehr schnell vibrierende Komponenteerreichen, die aber aus einem sehr harten Material bestehen muss. Und hier kommt nun Diamant ins Spiel – denn das ist das härteste natürliche Material. Je nach Geometrie und Größe des Diamantresonators kann man die erforderliche Resonanzfrequenz wählen, so dass man nur diese Frequenz empfängt.

Wie hast du von der Promotionsstelle am Fraunhofer IAF erfahren?

Da ich schon immer im Ausland promovieren wollte, hatte ich eigentlich zwei Optionen – in die USA oder nach Europa zu gehen. Beim Vergleich der beiden Forschungsansätze fiel mir auf, dass die europäische Art und Weise, Forschung zu betreiben, eher meiner eigenen Motivation entspricht. Der Betreuer meiner Master-Arbeit in Japan ist ein guter Freund von Dr. Christoph Nebel, dem Leiter der Abteilung ‚Halbleitersensoren‘ hier am Fraunhofer IAF und kennt daher das Institut sehr gut. Auch er war der Meinung, dass meine persönliche Auffassung von Wissenschaft sehr gut zu der Arbeitsweise am Institut passen würde. Daher empfahl er mir, mich hier zu bewerben.

Und was hat dich zu einer Promotion im Ausland bewogen?

Ganz einfach: meine Neugierde! Ich bin immer interessiert an dem Unbekannten, nicht nur an wissenschaftlichen Themen, aber an allem, das mich umgibt – so wie fremde Kulturen und Sprachen. Ich denke, für meine wissenschaftliche Laufbahn ist es wichtig, meinen Horizont zu erweitern. Für gute Forschung sollte man aufgeschlossen und weltoffen sein – denn in der Forschung geht es darum,  zu sehen, was alle bereits gesehen haben jedoch das zu denken, was bisher noch niemand gedacht hat.

Du betonst die verschiedenen Forschungsansätze. Was charakterisiert deiner Meinung nach die Forschung in Europa?

Mir gefällt die Idee, etwas zu erreichen, das momentan unmöglich ist, aber das in Zukunft möglich sein könnte… Das scheint auch die Motivation für die Forschung in Europa zu sein, während Wissenschaft in den USA wohl mehr an den theoretischen Grundlagen orientiert ist. Wissenschaft wird in Europa, und speziell bei Fraunhofer, als etwas Lebendiges, etwas, das sich andauernd weiterentwickelt, verstanden. Die Forscher hier geben eigentlich niemals auf. Sie verfolgen immer ihre Idee und versuchen es immer weiter mit neuen Technologien und Methoden, bis sie letztlich ein konkretes Ergebnis erzielen! Wahrscheinlich kommen auch deshalb so viele Erfindungen aus Europa!

Kannst du Unterschiede in der Forschungsarbeit in Japan und hier in Deutschland feststellen?

In Japan achten die Leute sogar noch mehr auf die Vorschriften und Bedingungen in den Laboren als hier. Das stellt natürlich klare Ergebnisse sicher – verlangsamt aber manchmal auch den Entwicklungsprozess. Im Vergleich ist die Geschwindigkeit der Forschung hier sehr hoch, weil so viele Ideen gleichzeitig verfolgt werden. Natürlich denken die Wissenschaftler genau über ihre Theorien nach, aber dann werden die Ideen recht schnell in die Praxis umgesetzt. Meiner Meinung nach ermöglicht das einen schnelleren Forschungszyklus als in Japan.

In Bezug auf die Arbeitsweise sehe ich auch einen großen Unterschied. Wie ich es bisher kennengelernt habe, trennen die Leute hier strikt zwischen Privat- und Berufsleben. Ich denke, für den Alltag ist das sehr wichtig! Meine einzige Sorge ist, ob ich Probleme haben werde, mich wieder an die sehr andere Arbeits- und Lebensweise in Japan anzupassen…

Was war bisher dein Highlight am Fraunhofer IAF?

Das kommt wahrscheinlich noch: In diesem Mai nehme ich an der New Diamond and Nano Carbons Conference (NDNC) in Shizuoka in Japan teil. Mein Vortrag »Formation of mono-sized diamond nanoparticles on silicon dioxide surfaces« wurde in die Konferenzagenda aufgenommen. Das wird meine erste Präsentation als Fraunhofer-Mitarbeiter auf einer großen Konferenz sein. Das finde ich ziemlich spannend.

Wie würdest du das Fraunhofer IAF in drei Worten beschreiben?

Idee – Technologie - Zukunft

Verrätst du uns deinen Lieblingsplatz in Freiburg?

Ich mag die Kneipe »Augustiner«. Dort gehe ich oft hin, um wichtige Fußballspiele zu schauen.

Was würdest du in Zukunft gerne mal erreichen – privat oder beruflich?

Momentan gibt es nichts, was ich gerne ändern oder erreichen würde, da ich mein Leben schon sehr genieße. Ich möchte einfach diese Situation so lange wie möglich fortsetzen. Selbst wenn nichts weiter mehr erreicht würde, wäre ich schon absolut zufrieden. Für mich ist einfach der Weg das Ziel.

Mehr Infos zur New Diamond and Nano Carbons Conference vom 24. – 28. Mai 2015 in Shizuoka:

Mitarbeiter des Fraunhofer IAF im Interview