»Expertise und fortschrittliche Technologien – das macht Forschung in Deutschland so attraktiv.«

Doktorandin Belén Amado-Rey über ihre Arbeit am Fraunhofer IAF
© Foto Fraunhofer IAF

Das Fraunhofer IAF bietet Absolventinnen und Absolventen verschiedener Fachrichtungen die Möglichkeit zur wissenschaftlichen Karriere. Auch zahlreiche junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Ausland forschen am Fraunhofer IAF – was motiviert sie und welche Personen und Geschichten stecken dahinter? Belén Amado-Rey aus Cáceres in Spanien begeistert das hohe Niveau der Forschungslandschaft in Deutschland: »In Spanien arbeitet kaum jemand mit so hohen Frequenzen. Mit dem  Fachwissen und den fortschrittlichen Technologien bietet das Fraunhofer IAF tolle Möglichkeiten.«

Belén Amado-Rey (27) studierte Elektroingenieurwesen in Cáceres in Spanien. Seit Februar 2014 arbeitet sie als Doktorandin in der Abteilung für Hochfrequenzelektronik am Fraunhofer IAF. Im Interview stellt sie ihr Forschungsthema und ihre Motivation zur Forschung in Deutschland vor.

In welchem Gebiet und an welcher Aufgabe forschst Du?

Im Rahmen meiner dreijährigen Promotion spezialisiere ich mich auf die Entwicklung von Hochfrequenz-Verstärkern, die über 300 GHz erzielen. Sie kommen in unterschiedlichsten Radaren für bildgebende Systeme zum Einsatz. Diese Entwicklungen basieren auf der metamorphen »High-Electron-Mobility Transistor«-Technologie (mHEMT-Technologie). Momentan arbeite ich zum Beispiel an einem Projekt für 240 GHz-Verstärker für Radare, die in der Automobilindustrie verwendet werden.

Wie bist Du zu einer Promotion am Fraunhofer IAF und zu diesem Thema gekommen?

Schon im Rahmen meiner Masterthesis habe ich im Bereich der Hochfrequenzelektronik geforscht. Daher war es mein Wunsch, meine Kenntnisse in diesem Bereich zu vertiefen und an neuen Entwicklungen mitzuarbeiten. Jedoch arbeiten die Forschungsinstitute in Spanien kaum mit solch hohen Frequenzen  – das macht es nicht einfach, interessante und herausfordernde Doktorandenstellen in diesem Forschungsfeld mit entsprechender Finanzierung zu finden. Meine Dozentin, die früher einmal als Gastwissenschaftlerin am Fraunhofer IAF gearbeitet hat, erzählte mir von dem Institut in Freiburg. Ich hatte Glück – es gab genau in meinem Forschungsbereich eine freie Stelle! Obwohl ich kaum Deutsch konnte und keinerlei Arbeitserfahrung im Ausland hatte, bewarb ich mich – das war eine tolle Chance, die ich nicht verpassen wollte!

Kannst du Unterschiede zwischen der Forschungsarbeit und den Einrichtungen in Deutschland im Vergleich zu Spanien feststellen?

Die meisten spanischen Universitäten stellen nicht so viel technische Ausrüstung und hochwertige Geräte zur Verfügung, wie es hier am Fraunhofer IAF der Fall ist – wie zum Beispiel der Reinraum oder die Messsysteme. Deshalb können die technische Ausstattung, das Fachwissen und das Forschungsniveau hier in Deutschland nicht mit unseren Standards verglichen werden.  Deutschland und insbesondere die Fraunhofer-Gesellschaft mit ihrem anwendungsorientierten Forschungsansatz, bietet weitaus bessere Möglichkeiten für eine Karriere in der Forschung und der Entwicklung innovativer Technologien und Geräte.

Gibt es auch negative Aspekte deiner Promotion in Deutschland?

Da wäre auf jeden Fall das Essen! Ich vermisse die spanischen Gerichte – insbesondere den Fisch. Außerdem ist das Wetter in Spanien viel besser. Aber abgesehen davon gefällt es mir hier sehr gut.

Was motiviert Dich für die Arbeit in der Forschung bei Fraunhofer?

In meinem Team hier am Fraunhofer IAF kann ich meine eigenen Ideen einbringen, mehr über neue Technologien und Methoden lernen und zugleich an konkreten Projekten arbeiten. Die Fraunhofer-Gesellschaft bietet eine gute Mischung aus Forschung und praktischer Anwendung. Allgemein habe ich große Unterschiede zur Arbeit in der Industrie kennengelernt; hier wird hauptsächlich innerhalb bestimmter Bereiche unter von den Unternehmen oder den Branchen vorgegebenen Rahmenbedingungen gearbeitet. In der Forschung bin ich freier, neue Dinge auszuprobieren und neue Geräte zu entwerfen.

Du nimmst an TALENTA, einem Programm für Frauen in der Forschung, teil. Inwiefern profitierst Du davon? 

Es ist eine tolle Möglichkeit weitere Schulungen zu erhalten und an Seminaren und Kongressen zu unterschiedlichen Themen teilzunehmen. Ich kann nicht nur mein Fachwissen ausbauen, sondern auch meine Sozialkompetenzen verbessern. Außerdem habe ich durch die zusätzliche Lernzeit, die mir durch das TALENTA-Programm gewährt wird, Zeit mich neben der tatsächlichen Forschungsarbeit im Labor intensiv auf die Ausarbeitung meiner Doktorarbeit zu konzentrieren.

Was war bisher dein »Highlight« am Fraunhofer IAF?

Mein Highlight am Fraunhofer IAF war mein allererster und gleich erfolgreicher Entwurf eines Hochfrequenz-Verstärkermoduls. Der Verstärker erreichte zwar nicht die hohe Frequenz, die ich angestrebt hatte, aber er schlug nicht aus, was eine wichtige Voraussetzung für präzise Messungen ist. Ich war sehr stolz auf meinen ersten Erfolg.

Wie würdest Du das Fraunhofer IAF in drei Stichworten beschreiben?

Motivierend – persönliche Entwicklung – Integration

Was willst Du mal erreichen – beruflich oder auch privat?

Ich würde gerne einen Roman schreiben. Ich habe großen Spaß am Lesen und wollte schon immer meinen eigenen Krimiroman schreiben. Aber bis jetzt habe ich es noch nicht gewagt loszulegen. Das ist etwas, das ich in meinem Leben erreichen möchte – neben der Entwicklung guter Entwürfe für Verstärkermodule natürlich!

Verrätst Du uns Deinen Lieblingsplatz in Freiburg?

Im Waldhaus gibt es die »Waldmenschen«: Dort wurden Skulpturen in Bäume geschnitzt. Ein Baum zeigt den Umriss von Don Quijote. Ich weiß nicht, was die Absicht davon war, aber es sieht sehr künstlerisch aus.

Mitarbeiter des Fraunhofer IAF im Interview