Interview mit den kommissarischen Institutsleitern des Fraunhofer IAF

Prof. Dr. Joachim Wagner: »2017 wird uns vor allem die Etablierung der vom BMBF geförderten Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland beschäftigen.«
© Foto Fraunhofer IAF

Prof. Dr. Joachim Wagner: »2017 wird uns vor allem die Etablierung der vom BMBF geförderten Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland beschäftigen.«

Dr. Martin Walther: »Kernkompetenzen schärfen und ausloten, wo weitere Kooperationen sinnvoll sind.«
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Dr. Martin Walther: »Kernkompetenzen schärfen und ausloten, wo weitere Kooperationen sinnvoll sind.«

Kompetenzen schärfen, die »Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland« etablieren und große Bauvorhaben vorantreiben: Im Interview erzählen die beiden neuen kommissarischen Institutsleiter des Fraunhofer IAF Prof. Dr. Joachim Wagner und Dr. Martin Walther über ihre Pläne für die strategische Ausrichtung des Instituts während der Interimszeit.

 

Herr Wagner und Herr Walther, heute sitzen Sie hier nicht nur als Bereichsleiter, sondern in erster Linie in Ihrer neuen Funktion als kommissarische Institutsleiter des Fraunhofer IAF. Was werden Sie anders oder neu machen?

WAGNER – Als kommissarische Institutsleiter sehen wir unsere Aufgabe in erster Linie darin, die Kontinuität nach außen und nach innen zu wahren. Es gilt aber auch, Chancen für neue Forschungsthemen und Förderformate klug zu nutzen und so für den zu berufenden Nachfolger bzw. Nachfolgerin von Oliver Ambacher gute Startbedingungen zu schaffen.

WALTHER – Den Erfolgskurs des Fraunhofer IAF möchten wir gezielt fortsetzen. Insbesondere möchten wir unsere Kernkompetenzen schärfen und ausloten, wo weitere Kooperationen für uns sinnvoll sein könnten – ganz im Sinne der Ergebnisse unseres diesjährigen Technologieaudits, das uns Tiefe vor weiterer Breite empfiehlt.

Gibt es bereits größere Projekte oder Vorhaben, die geplant sind und die Sie als neue Leitung gezielt vorantreiben möchten? Was steht 2017 am Fraunhofer IAF an?

WAGNER  2017 wird uns vor allem die Etablierung der vom BMBF geförderten »Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland« beschäftigen. Das Fraunhofer IAF koordiniert dabei den Aufbau des Technologieparks »Verbindungshalbleiter«. Die Förderung für das Fraunhofer IAF in Höhe von 15,6 Mio. € werden wir vorrangig in neue Anlagen investieren, um auf dem globalen Markt der Halbleiterforschung für Industriekunden auch zukünftig erfolgreich zu sein. Des Weiteren sehe ich besondere Chancen in den geplanten Förderinitiativen zur Nutzung von Quantentechnologien.

WALTHER – Um für diese Weiterentwicklungen intern gut aufgestellt zu sein, möchten wir die beiden großen Bauvorhaben Laborgebäude und MOCVD-Halle vorantreiben und die Renovierungsmaßnahmen im Reinraum abschließen.

Werden Sie alle am Institut laufenden Projekte weiter verfolgen? Oder ist bereits absehbar, dass manches nicht weitergeführt werden wird?

WALTHER  Die großen Themen in den Geschäftsfeldern werden sicher bleiben und die laufenden Projekte fortgesetzt. Eine differenzierte Betrachtung ist hingegen bei auslaufenden Projekten und Forschungsthemen am Rande der Kernkompetenzen notwendig – wobei ja gerade hier oft die meisten Innovationen hervorgebracht werden.

Sind denn zwischen Ihnen die Aufgabenfelder bereits klar abgesteckt? Wer vertritt das Institut zukünftig in welchen Themen – gerade auch nach außen?

WAGNER  Aus meiner Rolle als Bereichsleiter für die Geschäftsfelder heraus übernehme ich die Funktion als »Außenminister«. Ich bin zentraler Ansprechpartner für Industriekunden, Bundesministerium für Bildung und Forschung und Landesministerien, Universitäten sowie den Fraunhofer-Verbund Mikroelektronik und Fraunhofer UK.
WALTHER  Analog dazu übernehme ich eher die Rolle des »Innenministers«. In dieser Funktion bin ich zuständig für die Abteilungen und die Infrastruktur sowie die wissenschaftlichen Kernkompetenzen. Für das BMVg und die zugehörigen Dienststellen, den Fraunhofer-Verbund Sicherheits- und Verteidigungsforschung bin ich ebenfalls der Ansprechpartner. Unabhängig von dieser Aufgabenteilung, die in der Geschäftsordnung niedergelegt ist, werden wir selbstverständlich eng zusammenarbeiten und uns intensiv beraten. Bereichsübergreifende Entscheidungen werden wir gemeinsam treffen.

Wie und mit wem es nach der Interimszeit weitergeht ist aktuell noch offen. Was sollte die neue Institutsleitung Ihrer Meinung nach mitbringen?

WALTHER Neben der fachlichen Kompetenz auf dem weiten Gebiet der III/V-Verbindungshalbleiter sehe ich vor allem Führungs- und Managementerfahrung als wichtig an. Gute Vernetzung in Wissenschaft und Forschungslandschaft, Erfahrung bei Akquise und Leitung von großen Projekten sowie ausgeprägtes strategisches Denken.

Aktuell wird von einer Interimszeit von ca. 18 Monaten ausgegangen. In drei Wörtern: Für was stehen Sie?

WALTHER  Für die drei »K‘s«: Kernkompetenzentwicklung, Kommunikation, Kooperation.
WAGNER  Qualität, Verlässlichkeit, Zukunftsfähigkeit.

Mehr dazu in unserem Jahresbericht 2016/2017, der in Kürze erscheint!