Gespräch – das Fraunhofer IAF kurz beleuchtet

Gespräch – das Fraunhofer IAF kurz beleuchtet
© Foto Fraunhofer IAF

Dr. Martin Walther (li.), Leiter des Geschäftsfelds »Photodetektoren« und Prof. Joachim Wagner (re.), der das Geschäftsfeld »Halbleiterlaser« leitet, im Gespräch mit Julia Roeder (Öffentlichkeitsarbeit).

Herr Wagner, Sie selbst sind in diesem Jahr 30 Jahre am Fraunhofer IAF, Herr Walther, Sie sind 1996 ans Institut gekommen, was waren denn ihre Beweggründe zu Fraunhofer zu gehen?

Wagner: Nach der Promotion war ich drei Jahre am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung. Dabei wurde mir klar, dass ich nicht auf Dauer rein um der Erkenntnis Willen forschen möchte. Mich hat die Mischung aus Forschung und Anwendung bei Fraunhofer fasziniert.

Walther: Ich denke, das ist gerade der Punkt, der Fraunhofer ausmacht, dass man zwischen industrieller Forschung und akademischer grundlagenorientierter Forschung tätig sein kann – und man zwischen diesen beiden Seiten auch immer wieder hin und her wechseln kann.

Eine lange Zeit, auf die Sie beide am Fraunhofer IAF zurückschauen können – was hat sich denn am meisten verändert seit Sie ans Institut gekommen sind?

Wagner: Früher wurde hier noch sehr universitätsähnlich gearbeitet, eigentlich primär erkenntnisgetrieben. In den 90er-Jahren war es dann eine der Hauptaufgaben, Technologien und Prozesse zu entwickeln und diese an Industriepartner aus der Halbleiterbranche zu transferieren. Heute haben wir zunehmend Kunden, die sich gar nicht selbst mit den Details unseree Bauelemente beschäftigen. Stattdessen kommen sie mit einem Problem, das sie konventionell nicht lösen können – und wir erarbeiten dann eine Lösung.

Walther: Das Portfolio des IAF hat sich dadurch nach und nach erweitert. Wir bieten heute basierend auf III/V-Halbleitern und Diamant ein sehr großes Spektrum an: von materialwissenschaftlichen Arbeiten über die Bearbeitung technologischer Fragestellungen, zur Optimierung von Bauelementen und Komponenten bis hin zu kundenspezifischen Systemlösungen.

Wo sehen Sie demnach die zukünftigen Top-Themen des Instituts?

Walther: Das Hauptpotenzial sehe ich zukünftig in der Verlängerung der Wertschöpfungskette. Das heißt zum Beispiel im Bereich der Laser und Detektoren, dass wir leistungsstarke und maßgeschneiderte Systeme für spektroskopische Anwendungen bereitstellen können, oder auch Infrarot-Detektoren hoher räumlicher wie thermischer Auflösung. Im Bereich der Leistungselektronik ist das Thema Energieeffizienz beim Wandeln elektrischer Energie eines der großen Zukunftsthemen.

Aber geht es denn nicht auch darum das Wissen in die Industrie zu transferieren?

Wagner: Das hängt vom Thema ab. Bei den Technologien geht es darum diese zu transferieren, System-Know-How wird oftmals gemeinsam mit den Kunden entwickelt. In vielen Fällen sollen die Ergebnisse in Form von Hardware zur Verfügung gestellt werden, insbesondere dort, wo nur relativ geringe Stückzahlen benötigt werden. Hier springen wir ein und stellen im Rahmen von Pilotfertigungen Komponenten oder Module her – Schlüsselkomponenten, die sonst nicht erhältlich sind.

Wie erleben Sie diese Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Kunden und Partnern?

Walther: Ich denke gerade dieses breite Spektrum in dem man sich bewegt – Entwicklungen gemeinsam mit der Industrie, als Lieferant oder bei wissenschaftlichen Fragestellungen – macht das Leben als Fraunhofer-Forscher so interessant. Generell gibt es sehr wenig Routine.

Wagner: Das kann ich ebenfalls nur bestätigen, nach 30 Jahren Fraunhofer IAF war eigentlich kein Tag wie der andere. Es gilt immer an den aktuellen Themen dran zu bleiben, nicht nur im Institut, sondern auch bei Fraunhofer insgesamt und sich mit diesem Wissen auf die Fragen und Aufgaben des Kunden einzulassen, immer wieder neue Einsichten in verschiedenste Problematiken zu bekommen und dann gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Wie findet man denn die beste Lösung, wie funktioniert Innovation bei Fraunhofer?

Wagner: Meiner Erfahrung nach, kommen die meisten guten Ideen aus der anhaltenden Beschäftigung mit der Materie. Oft auch aus laufenden Projekten heraus, in denen man plötzlich neue Lösungswege findet. Und, nicht zuletzt auch aus kreativem Ausprobieren: Die weiße LED zum Beispiel stand auf keinem Strategieplan, sondern war das Ergebnis einer intelligenten »Spielerei«. Wissenschaftler, die auch über die Geschäftsfeldgrenzen hinaus miteinander in Interaktion treten, daraus entsteht das wirklich Spannende.

Und zum Abschluss, was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

Walther: Konkret für mein Geschäftsfeld den breiteren Einsatz der bei uns entwickelten Technologien. Ich bin überzeugt, es ist noch viel Potenzial vorhanden das »nicht Sichtbare sichtbar zu machen«, in den Spektralbereichen, die für das menschliche Auge nicht zugänglich sind.

Wagner: Dass die Fülle der Einzelentwicklungen zu neuen marktfähigen Produkten führen, und ich zum Beispiel bei zukünftigen Fernreisen Infrarot-Laser des Fraunhofer IAF zum Schutz des Flugzeugs entdecke.