Wie Schotten die Forschung verwalten: Ein Praktikum am Fraunhofer CAP

© Foto Fraunhofer IAF

Neben schottischen Arbeitsprozessen lernte Christina Lehmann bei Ausflügen in die Highlands auch Land und Leute kennen.

Das Fraunhofer Centre for Applied Photonics CAP in Glasgow und das Fraunhofer IAF sind enge Kooperationspartner – nicht nur im Forschungsbereich: Im Rahmen ihres dualen BWL-Studiums gewann IAF-Mitarbeiterin Christina Lehmann Einblicke in die Verwaltung des schottischen Partnerinstituts. Im Interview schildert sie ihre Erfahrungen zwischen Studium, Arbeitswelt und schottischer Gastfreundschaft während ihres zweimonatigen Praktikums am Fraunhofer CAP in Glasgow.

Im Oktober 2012 als erstes Kompetenzzentrum der Fraunhofer UK Ltd. gegründet, zählt das Fraunhofer CAP in Glasgow, Schottland, bereits zu den weltweit führenden Forschungseinrichtungen im Bereich der Erforschung und Entwicklung von Festkörperlasern. Gemeinsam mit dem Fraunhofer IAF besteht eine enge Partnerschaft zur Entwicklung neuartiger photonischer Lasersysteme. Auch im Verwaltungsbereich stehen die beiden Institute in engem Austausch – dies ermöglichte der IAF-Mitarbeiterin und DHBW-Studentin, die Verwaltungsprozesse des Fraunhofer CAP kennenzulernen.

Wie kam es zu deinem Auslandsaufenthalt in Glasgow?

Im Rahmen meines dualen Studiums, welches aus dreimonatigen Theoriephasen an der DHBW Villingen-Schwenningen, sowie Praxisphasen am Fraunhofer IAF besteht, gibt es für die Studierenden die Möglichkeit, ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Die neu gegründete Auslandstochter der Fraunhofer-Gesellschaft in Schottland bot sich ideal als Praktikumsbetrieb an  und so kam ich auf die Idee, mich dort zu bewerben. Ich hatte großes Glück, dass diese zusätzliche Qualifizierung vom Fraunhofer IAF so unterstützt wurde. Nach Absprache mit unserem Institutsleiter Prof. Oliver Ambacher stellte ich mich direkt beim Fraunhofer CAP vor – und konnte von Anfang Juli bis Anfang September diesen Jahres vor Ort Einblicke in die verschiedenen Verwaltungsbereiche erlangen.

Was hat dich für diese Entscheidung motiviert und welchen Herausforderungen musstest du dich stellen?

Für mich stand hauptsächlich die Verbesserung meiner Englischkenntnisse im Vordergrund. Fremdsprachen, aber auch die internationale Erfahrung, werden immer wichtiger auf dem Arbeitsmarkt. Gerade auch hinsichtlich der vielen internationalen Forschungskooperationen bei Fraunhofer ist es hilfreich, über gute Englischkenntnisse zu verfügen. Zudem hat es mich motiviert, durch das Leben und Arbeiten in ganz unbekanntem Umfeld meine eigene Selbstständigkeit zu fördern.
Neben der Arbeit in neuen Strukturen, beispielsweise einem Großraumbüro, bestand meine tägliche Herausforderung darin, die schottischen Kollegen zu verstehen und mich verständlich auszudrücken.

Woran wird am Fraunhofer CAP gearbeitet?

Am Fraunhofer CAP werden Festkörperlaser für Anwendungen in Bereichen wie Energie, Sicherheit, Transport, Kommunikation, Umweltüberwachung oder Gesundheit erforscht und entwickelt. Zudem werden in den Laboren des Fraunhofer CAP neue Lasersysteme und -module entworfen, getestet und charakterisiert. Die Wissenschaftler arbeiten, wie überall bei Fraunhofer, sehr industrienah und orientieren sich immer an den Bedürfnissen ihrer Kunden und Industriepartner.

Und worin genau bestanden deine Aufgaben?

Meine Hauptaufgabe während meines Praktikums war im Bereich Controlling angesiedelt, beispielsweise übernahm ich die Überprüfung und Auswertung von Projektarbeitszeiten, sowie deren graphische Aufbereitung. Zudem habe ich in den Bereichen Sekretariat, Einkauf, Personal,  Buchhaltung und Rechnungswesen mitgearbeitet. Dabei konnte ich mein theoretisches Wissen aus dem Studium und meine Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag des Fraunhofer IAF gut einbringen. Außerdem konnte ich bei der Erstellung von Handlungsanweisungen für Standardabläufe in der Verwaltung mithelfen. Auch dafür war mein Wissen aus meiner bisherigen Tätigkeit wertvoll!

Welche Infrastrukturen hast du dort vorgefunden?

Das Fraunhofer CAP ist an der University of Strathclyde angesiedelt und befindet sich im »Technology and Innovation Centre« (TIC), einem ganz neuen Gebäude, welches Anfang Juli von Queen Elizabeth eröffnet wurde. Alles ist sehr modern und offen gestaltet und bietet den Mitarbeitern optimale Arbeitsbedingungen, sowohl in den Büroräumen, als auch in den Laboren.  Derzeit sind bei der Auslandstochter ca. 25 Mitarbeiter beschäftigt – das ist einerseits toll, da die Dienstwege sehr kurz sind und die Kommunikation im Team sehr gut funktioniert – andererseits kann es bei Abwesenheiten von Kollegen/innen schneller zu Engpässen kommen.

Wie würdest du das Fraunhofer CAP in drei Stichworten beschreiben?

Modern – Offen – Familiär

Mit welchen Eindrücken vom Fraunhofer CAP und von Glasgow kehrst du zurück?

Die Arbeit, das Arbeitsumfeld und die Kollegen waren toll und das Praktikum bereitete mir viel Freude! Die Mitarbeiter des Fraunhofer CAP treffen sich einmal monatlich am Freitagnachmittag zum After-Work-Meeting – dazu wurde ich gleich in der ersten Woche eingeladen. So fiel es mir leicht, Kontakte zu knüpfen. Generell sind die Schotten sehr hilfsbereit, freundlich und offen. Bei der Arbeit konnte ich jeden fragen, wenn ich nicht weiterwusste. Meine Kollegen haben mir viele hilfreiche Tipps für Sehenswürdigkeiten, Ausflugsziele und Veranstaltungen gegeben. Für die Chance, Arbeit, Land und Leute kennenzulernen bin ich auf jeden Fall sehr dankbar!

Was war das Highlight deiner Zeit in Schottland?

Eigentlich hatte ich komplette neun Wochen lang ein ‚Highlight‘! All die freundlichen und offenen Menschen, denen ich bei der Arbeit und in der Stadt begegnet bin, die vielen netten Gespräche, die interessanten Einblicke bei der Arbeit und die wunderschöne Umgebung der schottischen Highlands haben jeden Tag dort zu etwas Besonderem gemacht.

Hast du einen Lieblingsplatz in Glasgow gefunden?

Ja – der »Glasgow Green«, das ist ein Park mitten in der Stadt. Durch diesen führt auch der »Clyde Walkway«, ein Fußweg entlang des Flusses Clyde. Mir hat die Atmosphäre dort sehr gut gefallen und es war toll, direkt in der Stadt etwas Natur zu finden!

 

Mitarbeiter des Fraunhofer IAF im Interview