Im Gespräch mit Thomas Trendle

Das Fraunhofer IAF betreibt Forschung im naturwissenschaftlichen Bereich. Welche Rolle spielt hier am Institut die Gruppe Feinmechanik?

Wir fertigen die Prototypen für unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Je nach Projekt oder Herausforderung beauftragen uns die Kollegen im Haus mit der Herstellung bestimmter feinmechanischer Komponenten, Baugruppen oder teilweise auch einfach mit einer Problemlösung. Wir verarbeiten technische Zeichnungen an unseren Computern und fertigen die Teile an unseren Maschinen.

Was sind speziell Ihre Aufgaben als Gruppenleiter und Ausbilder?

Ich bin das Bindeglied zwischen der Wissenschaft und der Technik. Die Wissenschaftler haben oft eine Idee, wissen jedoch nicht genau, wie sich das technisch lösen lässt. Da komme ich ins Spiel. Ich kläre die technische Machbarkeit ab und unterstützte bei der Entwicklung. Neben der technischen Beratung kümmere ich mich um die Materialverfügbarkeit, die Technik in der Feinmechanik sprich den Maschinenpark und bin auch für die Ausbildung der Industriemechaniker zuständig.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern ab bzw. was ist der Weg von der Idee zum fertigen Teil?

Da gibt es mehrere Wege. Im Idealfall kommen die wissenschaftlichen Abteilungen mit einer technischen Zeichnung, meistens bereits als 3D-Konstruktionsmodell, auf uns zu. Anhand der Zeichnung prüfe ich dann die Machbarkeit  – also zum einen, ob das Teil überhaupt herstellbar ist und zum anderen, ob es dann funktioniert. Oft kommen auch die Kollegen mit einem konkreten Problem oder lediglich einer Idee, von der sie nicht wissen, wie diese zu realisieren ist. Dann setzen wir uns zusammen, konstruieren  gemeinsam Teile und  erarbeiten eine Lösung. Sobald uns die finalen CAD-Daten vorliegen, erstellen wir unsere CNC-Programme und stellen die Teile her. Sollten wir Teile auf Grund der Größe oder des Herstellungsverfahren nicht selbst herstellen können, arbeiten wir mit Fremdfirmen zusammen, um die ideale Lösung zu finden.

Was sind die besonderen Herausforderungen der Feinmechanik an unserem Institut?

Da wir ausschließlich Prototypen herstellen, stellt jedes Teil auch eine neue Herausforderung dar. Wir fertigen alles, was es nicht vor den Stange gibt. Genau das, macht den Arbeitsplatz auch so interessant.  Zudem haben wir es immer wieder mit sehr exotischen Materialien zu tun. Wir verarbeiten Molybdän, Niob, Keramik, Wolfram, Tantal, usw. Neue Materialien muss man immer erst kennenlernen und sich an sie herantasten. Das ist wirklich spannend. So eine Vielzahl an unterschiedlichen Materialien und so ein großes Spektrum an unterschiedlichen Teilen gibt es an einem Arbeitsplatz zusammen  sehr selten.

Wenn wir die Entwicklung der Feinmechanik betrachten. Wie hat sie sich im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte verändert?

Auch bei uns in der Feinmechanik hat der Computer Einzug gehalten. Den klassischen Zeichner am Reißbrett gibt es so nicht mehr. Die Konstruktion und Entwicklung der Teile findet am Computer mithilfe von CAD-Programmen statt. Anhand der 3D-Modelle erstellen wir die Programme für unsere Maschinen am sogenannten CAM-Arbeitsplatz. Den Großteil der Zeit verbringt auch der Feinmechaniker heutzutage am PC, erstellt Programme, dokumentiert und pflegt Kundendaten – der klassische Wandel von der Werkbank zum PC-Arbeitsplatz. Unsere Teile werden  kleiner und  genauer, die Baugruppen immer komplexer. Die Feinmechanik ist in den letzten Jahren noch feiner geworden. Dies ist nur möglich mit einem modernen Maschinenpark, den neusten Werkzeugen die es für diese Sparte auf dem Markt gibt und den besten Messmitteln.

In Ihrer Gruppe bilden Sie Industriemechaniker aus. Was sind die Schwerpunkte der Ausbildung?

Die Aufgaben sind sehr vielfältig. Die Ausbildung beginnt mit dem Heranführen an die handwerklichen Fähigkeiten und den konventionelle Arbeiten. Drehen, Fräsen, Bohren, Feilen, das alles gehört zu den Grundkenntnissen eines Industriemechanikers. Danach führen wir die Auszubildenden an die CNC-Technik heran, damit sie bei uns das Arbeiten mit den neuesten Technologien kennenlernen und gewappnet sind für die Arbeitswelt. Selbstverständlich lernen die jungen Leute auch die Arbeit am Computer: Sie arbeiten mit CAD-Daten und erstellen Programme für unsere Maschinen.

Für wen eignet sich die Ausbildung?

Die Ausbildung zum Industriemechaniker eignet sich für jede und jeden, die Spaß am Tüfteln haben. Da wir mit sehr feinen Teilen hantieren, ist handwerkliches Geschick von Vorteil. Natürlich sollte man auch technisches Verständnis und räumliches Vorstellungsvermögen besitzen. Das bedeutet, dass man sich beispielsweise anhand einer technischen Zeichnung vorstellen kann, wie das fertige Teil aussieht, und dann Ideen entwickelt, wie sich das Teil herstellen lässt.

Wo liegt der größte Unterschied zu einer Lehrstelle in einem Betrieb in der freien Wirtschaft?

Der größte Unterschied liegt wohl darin, dass wir sehr unterschiedliche Teile fertigen und nur Prototypen herstellen. Hier ist kein Teil wie das andere. Und jedes Teil ist eine neue Herausforderung, die neue Ideen und Lösungsansätze fordert. Zudem kommt man hier mit vielen unterschiedlichen Materialien in Kontakt. In herkömmlichen Betrieben werden meistens Serien produziert; es gibt Arbeitspläne, festgelegte Arbeitsabläufe und sehr viele Wiederholteile. Bei muss jedes Mal neu  geplant und durchdacht werden und so haben schon die Auszubildenden die Möglichkeit, ihre Ideen mit einzubringen und zu einem positiven Ergebnis beizutragen.

Was schätzen Sie an Freiburg und der Umgebung besonders?

Die Altstadt ist wunderschön und die Atmosphäre einer Studentenstadt möchte ich auch nicht missen. Das Dreiländereck ist ideal für Ausflüge und Kurzurlaube und man ist ruckzuck in der Schweiz, in Frankreich und Italien. Alles ist in der Nähe. Und für mich persönlich ist hier der perfekte Ausgangspunkt für meine Motorradtouren.

Was war Ihr bisheriges Highlight am Fraunhofer IAF?

Es ist schwer, ein einzelnes Ereignis herauszupicken, denn für mich gibt es ständig Highlights. Es ist wahnsinnig interessant, hier zu arbeiten. Ich erfahre jeden Tag etwas Neues und staune über die Ergebnisse der wissenschaftlichen Abteilungen – seien es Geräte zur Detektion von Stoffen oder Messungen oder Datenübertragungen – da gibt es so viele Highlights, die ich gar nicht aufzählen kann. Und es macht mich sehr stolz, mit meiner Arbeit daran beteiligt zu sein.  Außerdem sind für mich die Möglichkeiten, die wir hier haben, besonders: Wir erzielen hervorragende Ergebnisse mit Kleinstwerkzeugen. Wir arbeiten beispielsweise mit Fräsern mit einem Durchmesser von 0,06 mm also sechs Hundertstel, das hat in etwa die Stärke eines Haares. Mit so kleinen Werkzeugen zu arbeiten, ist eine richtige Herausforderung.  

Wie würden Sie das Fraunhofer IAF kurz und knackig in drei Worten beschreiben?

Motivation – Lösungsorientierung – Teamarbeit

Das Fraunhofer IAF ist ein Zusammenspiel von sehr motivierten Teams, die alle ein sehr großes Interesse und viel Spaß daran haben, Lösungen für Probleme zu finden und gemeinsam bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.  

Thomas Trendle ist Gruppenleiter der Feinmechanik und als Ausbilder zuständig für die Auszubildenden Industriemechaniker. Er ist seit 2015 am Fraunhofer IAF und verantwortet die Fertigung der Einzelteile, Komponenten und Baugruppen im Auftrag der wissenschaftlichen Abteilungen des Instituts.

 

Am 16. und 17. Mai sind wir auf der Job-Start-Börse Freiburg und informieren über Ausbildungsberufe an unserem Institut.  

Weitere Mitarbeiter des Fraunhofer IAF im Gespräch

 

Von hochsensiblen Satelliten und der Leidenschaft fürs Forschen

 

Forschungsmanagement – von der Idee in den Markt

 

Promotionserfolg - die erste vollständige GaN-basierte Tri-Gate-Technologie

 

Ein vertrauensvolles Miteinander zu schaffen ist wichtig für den Zusammenhalt