Im Gespräch mit Philipp Döring

Als Promotionsstudent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an gleich zwei Instituten hast du eine besondere Hybridstelle. Wie genau sieht die Kooperation zwischen dem Fraunhofer IAF und dem INATECH der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg aus und welche Vorteile bringt sie?

Ich arbeite an beiden Instituten. Am Anfang, als es noch darum ging Literaturrecherche zu betreiben, habe ich quasi nur am INATECH gearbeitet. Mittlerweile bin ich für die praktische Arbeit fast ausschließlich am Fraunhofer IAF. Hinter dem dualen Konzept meiner Stelle steht zum einen der Austausch zwischen der Uni und dem Fraunhofer-Institut und zum anderen natürlich die Nachwuchsförderung. Für uns Doktoranden ist das nur vorteilhaft, da man hier am IAF wesentlich mehr Know-how hat. In meinem Forschungsfeld zum Beispiel, im Bereich Galliumnitrid, wird am Fraunhofer IAF seit vielen Jahren geforscht und zwar deutlich spezifischer und ausdauernder als an der Uni. Dadurch habe ich natürlich einen Vorteil, weil ich hier auf diese jahrelange Expertise zurückgreifen kann.

 

Aktuell promovierst und forscht du im Bereich der Leistungselektronik. Wie bist du dazu gekommen? War es schon immer dein Wunsch, mit elektronischen Schaltungen und Bauteilen zu arbeiten?

Nein, eigentlich überhaupt nicht. Mein Vater hat Automatisierungstechnik studiert und wollte mich schon immer für Mikroelektronik begeistern, aber ich fand das früher ziemlich langweilig. Ich habe ursprünglich Geowissenschaften im Bachelor studiert. Irgendwie bin ich dann aber während des Studiums immer mehr von Geologie weg und in Richtung Materialwissenschaften gegangen. Auf dem Interesse für die Materialforschung aufbauend, habe ich dann meinen Master in ›Sustainable Materials‹ gemacht. Den Weg in die Leistungselektronik habe ich erst während meiner Masterarbeit gefunden. Mein damaliger Zweitbetreuer Prof. Dr. Oliver Ambacher, der Institutsleiter des Fraunhofer IAF und Professor der Universität Freiburg, hat mich darauf gebracht.

 

Was genau ist das Thema deiner Promotion und was fasziniert dich daran?

Mein Thema sind ›vertikale Galliumnitrid-Transistoren‹. Es ist eine noch wenig erforschte Technologie. Auch wenn man Transistoren auf Galliumnitrid-Basis am Fraunhofer IAF schon gut kennt, sind die vertikalen Transistoren noch nicht sonderlich weit entwickelt und in ganz Deutschland bisher noch so gut wie gar nicht erforscht worden. Ich finde das Thema spannend, weil man in jedem Teilbereich wenig Erfahrung hat und es daher viele Ansatzpunkte für meine Forschung gibt. Zum Beispiel gilt es in der Materialentwicklung und später auch in der Prozessentwicklung noch viele Hürden zu überwinden.

Vertikale Transistoren sind faszinierend, da sie in Sachen Leistung weniger limitiert sind als laterale Transistoren. Die theoretisch höhere Effizienz wäre vorteilhaft für Anwendungen in Rechenzentren sowie der Automobil- und Telekommunikationsindustrie. Da steckt aber noch einiges an Entwicklungsarbeit dahinter, um die Vorteile des vertikalen Layouts, die es in der Theorie gibt, auch in der Praxis umsetzen zu können. Dieser Schritt reizt mich besonders, da es mir am meisten Spaß macht zu prüfen, ob das, was ich mir überlegt habe, auch funktioniert. Ich muss mir die einzelnen Bausteine für meinen Weg zum vertikalen Transistor raussuchen und dann sehen, ob es klappt, wie es klappt und wie gut es klappt.

© Fraunhofer IAF

Wenn dir die praktische Arbeit liegt, warum hast du nicht gleich in die Industrie gewechselt, sondern bist von der Uni zum IAF als Forschungs- und Entwicklungsinstitut gekommen?

Prinzipiell hat man hier am IAF, soweit ich das beurteilen kann, nicht weniger praktische Arbeit als in der Industrie. Auch in der Forschung und Entwicklung gehört die praktische Anwendung dazu. Außerdem habe ich hier am Institut viel Freiheit bei meiner eigenen Forschung und das trotz der hohen Industriestandards und der geregelten Prozessabläufe.

 

Neben deinem Dissertationsprojekt bist du auch als Mitarbeiter angestellt. Welche Aufgaben musst du zusätzlich zu deinem eigenen Projekt bewältigen?

Zum einen gibt es Projektarbeiten bei anderen Projekten aus dem Lehrstuhl, an denen ich mitarbeite. Diese sind zwar nicht genau im Bereich meiner Doktorarbeit, gehen aber in eine ähnliche Richtung. Zum anderen gehört auch die Studentenbetreuung zu meinen Aufgaben. Wir haben ein paar Masterstudenten und einer von ihnen will seine Masterarbeit in dem Thema der vertikalen Transistoren schreiben. Er wird im nächsten Monat dazukommen und sein Aufgabenbereich wird sich dann danach richten, wie der Stand meiner Arbeit ist. Wir werden zusammenarbeiten und ich werde ihn mitbetreuen, zusammen mit meinen Kollegen.

 

Was würdest du Studenten mit auf den Weg geben? Bzw. um welchen Rat wärst du zu Anfang deines Studiums froh gewesen?

Auf jeden Fall sollte man sich selber nicht so viel Druck machen. Ich glaube es ist wichtig, nicht alles auf Noten zu geben. Es ist nicht einzig und allein entscheidend, dass man nur Einsen schreibt, sondern, dass man durchs Studium kommt und sich dabei Gedanken macht, was einen wirklich interessiert. Denn man macht es ja nicht wegen der Noten, sondern weil es einem auch Spaß machen soll!

Außerdem sollte man möglichst früh praktische Erfahrung sammeln und sehen, wie die Arbeitswelt tatsächlich aussieht. Man schreibt im Berufsleben keine Prüfungen mehr, sondern setzt das um, was man gelernt hat. Durch praktische Erfahrungen kann man herausfinden, was einem Spaß macht und was einem am meisten liegt. Das ist kein Zwang, unbedingt Hiwi zu werden, aber ich denke, es ist sicherlich von Vorteil. Man kann natürlich auch ein Praktikum bei einer Firma machen. Am besten macht man sogar beides, denn dann kann man entscheiden, ob man mehr in Richtung Uni oder doch in Richtung Industrie tendiert.

© Fraunhofer IAF

Was schätzt du am Standort Freiburg besonders?

Die Stadt an sich gefällt mir sehr gut. Ich mag es weder sehr groß noch sehr klein. Auch sehr schön ist, dass ich mitten in einer Stadt lebe und trotzdem sehr schnell draußen in der Natur bin. Bisher habe ich noch keine schönere Stadt als Freiburg entdeckt.

 

Was war dein bisheriges Highlight am Fraunhofer IAF?

Das war die Reinraumführung an meinem ersten Tag. Das war schon etwas Besonderes. Wir haben zwar nur von außen reinschauen können, aber das hat mich dazu motiviert, dort auch etwas zu machen und mir gezeigt, dass die Forschungsarbeit hier am Fraunhofer IAF echt spannend werden könnte.

 

Wie würdest du das Fraunhofer IAF kurz und knackig in drei Worten beschreiben?

Miteinander. In den Bereichen, in denen ich gearbeitet habe, kann man jeden nach Rat fragen.

Atmosphäre. Es herrscht eine sehr angenehme Stimmung zwischen den Kollegen.

Forschungsspielplatz. Dem Forschen sind hier kaum Grenzen gesetzt! Am Fraunhofer IAF ist man nur noch selbst der limitierende Faktor. Es gibt vielleicht nicht jedes Gerät, aber alles, was man grundlegend braucht, ist vorhanden – sprich der eigenen Forschung sind kaum Grenzen gesetzt.

 

Philipp Döring promoviert seit Anfang 2018 im Bereich der Leistungselektronik am Fraunhofer IAF und am INATECH der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Zuvor hat er einen Bachelor of Science in Geowissenschaften gemacht und einen Master of Science in ›Sustainable Materials‹, mit der Profillinie ›Crystalline Materials‹.

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